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Mirko: 325e


Was lange währt wird endlich gut...

Viel zu lang stand der olle eta jetzt schon in unserer Schrauberhalle rum und fristete über Jahre ein trauriges Dasein. Vom Staub ganz eingehüllt und zunehmend mit Standschäden versehen erblickte er nur das Sonnenlicht, wenn es mal wieder hieß „Halle ausräumen und fegen“. Dann wurde auch der Rost sorgsam zusammengekehrt, alles wieder fein säuberlich eingeräumt und sich wieder den Spielzeugen mit den großen Motoren gewidmet.

Aber langsam wurde es Zeit für das Projekt, durch das ich ja überhaupt erst zum E30 gekommen bin. Aber fangen wir nochmal von vorn an.

 

Zehn Jahre ist es nun her, daß der Wunsch nach einem ersten eigenen Auto aufkam, aber welches? Ein Youngtimer sollte es sein, möglichst ein guter mit Historie. Damals in Berlin waren die W123 leider schon zu teuer und in der Regel auch abgerockt, sonst wäre ich wohl heute fest in der Daimler-Szene verankert. Sein etwas moderneres Pendant von BMW, der E28 war eigentlich genau im richtigen Alter und voll mein Ding, aber auch hier gab es nur schlechte Fahrzeuge für das Budget, das ich damals aufbringen konnte. Das eta-Fieber hatte mich aber gepackt und so wurde gezielt nach 325e und 525e Ausschau gehalten. Gefunden habe ich meinen 325e dann im März 2008 bei einem russischen Autohändler in Berlin. Der Wagen hatte bereits über 230.000km runter und sollte mit kaputten Radlagern 800 Euro kosten. Irgendwie reizte mich das nicht und ich hab den Wagen nochmal stehen lassen und habe weiter gesucht. Zwei Monate und viele Inserate später war der 325e immer noch inseriert, das war mein Zeichen. Also bin ich nochmal hin, hab ihn mir nochmal genau angeschaut, auch den Rost am Heck, das durchgestempelte Serviceheft und den einen Vorbesitzer Baujahr 1936 registriert und nach einer Proberunde den eta von seinem Leid befreit und mitgenommen.

 

Zeitnah wurden dann erstmal die hinteren Radlager erneuert und dann das eta-Feeling voll genossen. Erst einige Monate spät haben wir dann rausgefunden, dass das Auto nicht irgendeinem Doktor in Berlin gehörte, sondern dem Dr. Gerhard Ertl, welcher 2007 den Nobelpreis der Chemie für seine Forschung auf dem Gebiet der Katalyse auf Festkörperoberflächen bekommen hat. Es wundert also nicht, dass der Mann sich 1987, als er nach Berlin kam, ein Auto gekauft hat, das schon ab Werk mit einem Katalysator ausgestattet war.

Im persönlichen Mailverkehr stellt sich dann heraus, daß er und seine Frau sehr zufrieden mit ihrem BMW waren, jedoch altersbedingt im Jahr 2007 ein Auto mit Servolenkung brauchten. Nach 20 Jahren haben Sie ihren Wagen dann beim Autohändler in Zahlung. Da sie davon ausgingen, dass der Wagen irgendwo in den Osten weiterverkauft wird oder in der Presse landet, waren beide natürlich überaus froh zu hören, dass ihr Schätzchen bei mir in guten Händen gelandet ist. Darüber hinaus erfuhr ich von beiden, dass der Wagen Anfang der 90er mal einen Hecktreffer auf der A9 Höhe Halle erlitten hat. Der Trabant vom Unfallverursacher war wohl Totalschaden, den BMW hat man damals gerichtet. Die Werkstatt hat es damals auch recht gut gemacht, leider nicht ganz perfekt, so daß nach 18 Jahren der Rost an den Endspitzen ordentlich durch kam.

Der zunehmende Rost am Heck und die immer länger werdende Mängelliste führten dann auch dazu, dass der 325e von mir Anfang 2011 abgemeldet wurde. Der Plan war dann eigentlich noch im selben Jahr eine Halle zu suchen (der Grundstein zur Entstehung der Mettgarage mit Chris und René, denn die Halle fand sich zum Glück sehr schnell) und zeitnah mit der Restauration zu beginnen. Es kam aber anders durch den Kauf einer zinnoberroten Cabrio-Karosserie und so stand der eta erstmal für lange Zeit in die Ecke.






… und dann, es muss so etwa vor zwei Jahren gewesen sein ... Meine Frau saß mit mir am Frühstückstisch und wir haben unsere Hochzeitspläne geschmiedet. Ursprünglich wollte ich nichts mit "Auto" an meiner Hochzeit machen, kein Konvoi, kein Gehupe und auch keine doofe Hochzeitslimousine. Als dann aber feststand, dass wir auf jeden Fall von unserer Hochzeitslocation etwa 30min zum Standesamt fahren müssen, da stand auch für mich fest, dass es nur EIN Hochzeitsauto geben kann. Meine Frau fragte nur kurz, was gemacht werden müsse um ihn wieder auf die Straße zu bekommen und willigte ein, nachdem ich grob vorgerechnet habe, was auf uns zukommt.

Gesagt, getan! Startschuss September 2016 und geplante Fertigstellung Sommer 2017…tatsächliche Fertigstellung dann Oktober 2017. (hier zum Nachlesen) Die Freude war grenzenlos. Der eta fuhr endlich wieder aus eigener Kraft, alle Roststellen waren beseitigt und er sah vor allem wieder aus wie eine Perle und dass nicht nur auf unserer Hochzeit. Ich werde inzwischen doch häufiger auf das hübsche Exemplar angesprochen und es gibt anders als beim Cabrio echt viele Daumen nach oben und auch recht viele Kaufinteressenten. Aber eines steht für mich fest – der wird nicht verkauft.

Mirko